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Neuer OECD-Bildungsbericht

Geringeres Risiko, arbeitslos zu sein

Bildung zahlt sich mehrfach aus. Das zeigt die am Donnerstag veröffentlichte OECD-Studie „Bildung auf einen Blick“ („Education at a Glance“). Je höher der Bildungsstand, desto geringer ist das Risiko, arbeitslos zu werden, und desto höher das Einkommen.

Höher Gebildete fühlen sich außerdem gesünder - und: Wer einen Kindergarten besucht hat, hat ein deutlich geringeres Risiko, später ein schlechter Schüler zu sein. Gleich zu Beginn der Bildungskarriere zeigt sich ein Zusammenhang zwischen dem Besuch einer frühkindlichen Bildungseinrichtung und dem späteren Leben: Je länger ein Kindergarten besucht wird, desto geringer ist das Risiko, später zu einem Risikoschüler in Mathematik zu werden - selbst nach Berücksichtigung des sozioökonomischen Hintergrunds.

Deutliche Unterschiede bei Mathematik

Für dieses Ergebnis wurde auf Daten aus der PISA-Studie zurückgegriffen. Laut diesen fielen in Österreich 36 Prozent jener Kinder, die keinen Kindergarten besucht hatten, in die Gruppe der leistungsschwachen Rechner (OECD: 41 Prozent). Bei den Kindern, die höchstens ein Jahr im Kindergarten waren, betrug der entsprechende Anteil nur noch 27 Prozent (OECD: 30 Prozent), bei einem längeren Kindergartenbesuch sogar nur noch 17 Prozent (OECD: 20 Prozent).

Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA/OECD

In Österreich Bildung besonders wichtig

Profitiert wird aber auch im Erwerbsleben - und zwar zunächst einmal beim Umstand, dass es ein solches überhaupt gibt. So betrug 2015 die Erwerbslosenquote in Österreich bei den Personen mit höchstens Pflichtschulabschluss 19,1 Prozent (OECD: 17,4 Prozent), bei jenen mit einem Abschluss im allgemeinbildenden Sekundarbereich (in Österreich z. B. AHS-Matura) 7,7 Prozent (OECD: zehn Prozent), bei Personen mit einem Abschluss im berufsbildenden Sekundarbereich (z. B. Lehre, berufsbildende mittlere Schule/BMS) 5,7 Prozent (OECD: 9,2 Prozent) und bei Hochschulabschlüssen (in Österreich inkl. BHS-Abschlüssen) 4,1 Prozent (OECD: 6,9 Prozent). Die gegenüber der OECD durchwegs besseren Werte zeigen, dass sich hierzulande Bildung sogar noch mehr auszahlt.

Verdienst hängt stark an Abschluss

Mit höheren Abschlüssen wird aber auch mehr verdient: So erhalten in Österreich etwa Personen mit höchstens Pflichtschulabschluss nur 75 Prozent des Einkommens von Personen mit Sekundarabschluss (v. a. Lehre, BMS, AHS-Matura).

Hochschulabsolventen erzielen dagegen ein höheres Einkommen als die Sekundarabsolventen: Personen mit Bachelor-Abschluss um fünf Prozent mehr, Absolventen eines tertiären Kurzstudiengangs (in Österreich vor allem BHS) um 30 Prozent, Master- bzw. Doktoratsstudenten um knapp 80 Prozent mehr.

Subjektives Gesundheitsempfinden

Mit höherer Bildung fühlt man sich aber offenbar auch gesünder: In Österreich gaben etwa 34 Prozent der 25- bis 44-jährigen Personen mit höchstens Pflichtschulabschluss an, in ihrer Aktivität aufgrund von Gesundheitsproblemen eingeschränkt zu sein (OECD: 23 Prozent).

Bei den gleichaltrigen Hochschulabsolventen waren es dagegen nur 13 Prozent (OECD: zehn Prozent). Bei den 65-Jährigen und Älteren klagten in Österreich schon 71 Prozent der Pflichtschulabsolventen über gesundheitsbedingte Einschränkungen (OECD: 57 Prozent), aber nur 42 Prozent der Hochschulabsolventen (38 Prozent).

 

Kleine Klassen, alte Lehrer



Die neue OECD-Studie „Bildung auf einen Blick 2016“ gibt Aufschlüsse darüber, warum das österreichische Schulsystem teurer ist als in anderen Industriestaaten.
Die Gründe liegen etwa in geringen Klassengrößen (auch aufgrund der vielen Kleinschulen), niedriger Unterrichtsverpflichtung sowie vergleichsweise hohen Lehrergehältern, verbunden mit dem höheren Alter der Pädagogen.
In Österreich wird in allen Schulbereichen deutlich mehr Geld pro Schüler ausgegeben als im OECD-Schnitt - im Volksschulbereich sind es kaufkraftbereinigt 10.780 Dollar (OECD-Schnitt: 8.477), im Sekundarbereich 15.024 Dollar (OECD: 9.811).

Mehr Lehrer im Einsatz

Aufgrund der geringeren Klassengrößen hierzulande (im Schnitt im Volksschulbereich 18 Kinder gegenüber 21 im OECD-Schnitt bzw. im Sekundarbereich I 21 gegenüber 23 im OECD-Schnitt) werden mehr Lehrer benötigt. Ebenfalls mehr Pädagogen braucht es in Österreich, um die Zahl der Unterrichtsstunden abzudecken.

Die Unterrichtsverpflichtung entspricht nur im Volksschulbereich dem OECD-Schnitt, im Sekundarbereich I (AHS-Unterstufe/Neue Mittelschule) stehen dagegen die österreichischen Lehrer jährlich um 87 Stunden kürzer in der Klasse (Österreich: 607, OECD: 694), in der AHS-Oberstufe sind es 55 Stunden (Österreich: 589, OECD: 644).

Höhere Gehälter

Dazu kommen noch höhere Gehälter: Pädagogen verdienen in Österreich zu jedem Zeitpunkt ihrer Karriere und in allen Schultypen mehr als im OECD-Schnitt. Lag 2014 bei Volksschullehrern schon das Einstiegsgehalt mit rund 32.800 Dollar (kaufkraftbereinigt) pro Jahr über dem OECD-Schnitt (31.000), ist der Abstand beim Höchstgehalt mit rund 64.000 noch größer (OECD: 51.300). Ähnlich verhält es sich in der Sekundarstufe I (Österreich: rund 34.300 Start-, rund 66.600 Endgehalt; OECD: 32.500 bzw. 53.600) und der AHS-Oberstufe (Österreich: 36.000 bzw. 74.500; OECD: 34.200 bzw. 56.200).

Pädagogen deutlich älter

Als Spezialproblem Österreichs kommt dazu, dass dieses Senioritätsprinzip aufgrund der Altersstruktur der Lehrer kostenmäßig immer stärker schlagend wird. Im Volksschulbereich sind in Österreich 37 Prozent aller Pädagogen 50 Jahre oder älter, in der OECD nur 31 Prozent.

Am höchsten fällt der Unterschied im Sekundarbereich I aus: In der AHS-Unterstufe bzw. Neuen Mittelschule sind in Österreich 48 Prozent der Lehrer 50 oder älter (OECD: 34 Prozent), an den Oberstufenschulen (Sekundarbereich II) kommt Österreich auf einen Anteil von 42 Prozent (OECD: 38 Prozent).

Einschränkung: Lehrer mit 60 Jahren oder darüber sind in Österreich - vermutlich wegen des geringeren faktischen Pensionsantrittsalters - allerdings eher selten: Der Anteil liegt je nach Schultyp zwischen drei und fünf Prozent OECD: sechs bis neun Prozent).
 

Akademikerquote bis Unterrichtszeit



Im Folgenden werden die Detailergebnisse für Österreich aus der neuen OECD-Studie „Bildung auf einen Blick 2016“ (Education at a Glance) in Kurzform alphabetisch gereiht. Jeweils am Ende des Absatzes erscheint in Klammer die Nummer des Indikators bzw. der entsprechenden Tabelle aus der Studie.

Akademikerquote: 2015 lag der Anteil der Hochschulabsolventen an der Bevölkerung im Alter von 25 bis 64 Jahren in Österreich bei 31 Prozent. Der OECD-Schnitt liegt bei 35 Prozent. Das entspricht einem leichten Anstieg für Österreich gegenüber dem Vorjahr (30 Prozent), einem etwas stärkeren im OECD-Raum (2014: 33 Prozent). In Österreich werden seit dem Vorjahr nicht nur Hochschulabschlüsse zur Akademikerquote gezählt, sondern auch bestimmte Schulabschlüsse (BHS-Abschlüsse gelten nun als tertiäre Kurzausbildungen, Anm.). (A1.2 bzw. A1.3)

Ausgaben pro Schüler/Student: In Österreich betrugen diese 2013 von der Volksschule bis zur Hochschule kaufkraftbereinigt pro Kopf durchschnittlich 14.361 US-Dollar (12.785 Euro). Damit lagen sie weit über dem OECD-Schnitt von 10.493 Dollar (9.342 Euro). Gleiches gilt auch für die jeweiligen Einzelbereiche Volksschule, Sekundarstufe und - etwas eingeschränkt - Hochschulen. (B1.1)

Betreuungsverhältnis: Vergleichsweise weniger Schüler als im OECD-Schnitt kamen 2014 in Österreich in der Volksschule und in der Sekundarstufe auf einen Lehrer: Im Primarbereich (Volksschule) sind es zwölf Schüler (OECD: 15), in der Sekundarstufe neun (OECD: 13). Lediglich im tertiären Bildungsbereich (Bachelor/Master/Doktorat) liegt dieser Wert mit 17 Studenten pro Lehrendem genau im OECD-Durchschnitt. (D2.2)

Bildungsausgaben: Österreichs Bildungsausgaben gemessen an der Wirtschaftsleistung lagen 2013 unter dem OECD-Schnitt: In Österreich werden genau fünf Prozent des BIP für Bildungseinrichtungen vom Primar- bis Tertiärbereich verwendet, in der OECD sind es im Schnitt 5,2 Prozent. Greift man nur den Schulbereich heraus, kommt Österreich auf 3,2 Prozent (OECD-Mittelwert: 3,7 Prozent). Der Anteil der öffentlichen Bildungsausgaben an den öffentlichen Gesamtausgaben beträgt in Österreich 9,9 Prozent und ist damit ebenfalls unter dem OECD-Durchschnitt (11,2 Prozent). (B2.2. bzw. B4.2)

Bildungsmobilität: In Österreich gelingt ein „Bildungsaufstieg“ vor allem in Richtung Hochschulabschluss eher selten. Beispiel: Nur 21 Prozent der nicht mehr in Ausbildung befindlichen 25- bis 44-Jährigen, deren Eltern höchstens einen Abschluss im Sekundarbereich II (v. a. Matura oder Lehre, Anm.) haben, schaffen selbst einen Hochschulabschluss - in der OECD sind es dagegen 43 Prozent. (A4.4)

Bildungsniveau: Der Anteil von Personen mit mindestens einem Abschluss der Sekundarstufe II an den 25- bis 64-Jährigen lag in Österreich 2015 bei 85 Prozent (OECD: 78 Prozent). (A1.3)

Gender-Gap: Die Einkommen der Frauen hinken in Österreich hinterher: Sie verdienen unabhängig von der Bildungsstufe weniger. In Österreich erhält etwa eine 35- bis 44-jährige Frau mit Tertiärabschluss 72 Prozent dessen, was ein Mann mit gleichem Alter und Bildungsabschluss verdient (OECD-Mittel: 74 Prozent). (A6.2).

Hochschulabschluss: Für Österreich prognostiziert die OECD, dass 50 Prozent eines Altersjahrgangs im Lauf ihres Lebens ein Hochschulstudium abschließen werden. Das entspricht in etwa dem OECD-Schnitt (49 Prozent). Bedingt ist das vor allem durch die tertiären Kurzausbildungen, zu denen nun auch die BHS zählen. Ein Abschluss auf Bachelorniveau wird in Österreich dagegen nur genau einem Viertel prognostiziert (OECD: 38 Prozent), auf Masterniveau 20 Prozent (OECD: 18 Prozent) und auf Doktoratsebene 1,9 Prozent (OECD: 1,7 Prozent). (A3.1)

Internationale Studenten: Mit 15 Prozent wies Österreich 2014 hinter Luxemburg (44 Prozent), Neuseeland (19 Prozent) und Australien (18 Prozent) ex aequo mit Großbritannien den vierthöchsten Anteil internationaler Studenten an den eigenen Hochschulen auf (OECD: sechs Prozent). Den Löwenanteil unter den ausländischen Studenten in Österreich machen mit 39 Prozent Deutsche aus, gefolgt von Italienern (12,5 Prozent). (C4.1)

Kindergarten: In Österreich besuchen 36 Prozent (OECD: ebenfalls 36 Prozent) der Zweijährigen und 73 Prozent (OECD: 71 Prozent) der Dreijährigen eine frühkindliche Bildungseinrichtung. Bei den Vierjährigen sind 92 Prozent (OECD: 86 Prozent) im Kindergarten, bei den Fünfjährigen 96 Prozent (OECD: 95 Prozent). (C2.1)

Klassengröße: 2014 saßen in Österreich im Schnitt in der Volksschule 18 Kinder in einer Klasse (OECD: 21), nur in Estland, Lettland und Luxemburg waren es noch weniger. Im Sekundarbereich I (AHS-Unterstufe, Hauptschule/Neue Mittelschule) lag die durchschnittliche Klassengröße bei 21 Schülern (OECD: 23), damit liegt Österreich im vorderen Mittelfeld. (D2.1)

Lehreralter: Österreich hat im OECD-Vergleich relativ alte Lehrer. Im Volksschulbereich sind in Österreich 37 Prozent aller Pädagogen 50 Jahre oder älter, in der OECD sind es 31 Prozent. Am höchsten fällt der Unterschied im Sekundarbereich I aus: In der AHS-Unterstufe bzw. Neuen Mittelschule sind in Österreich 48 Prozent der Lehrer mindestens 50 Jahre (OECD: 34 Prozent), an den Oberstufenschulen (Sekundarbereich II) kommt Österreich auf einen Anteil von 42 Prozent (OECD: 38 Prozent). Lehrer mit 60 Jahren oder darüber sind in Österreich - vermutlich wegen des geringeren faktischen Pensionsantrittsalters - dagegen eher selten: Der Anteil liegt je nach Schultyp zwischen drei und fünf Prozent (OECD: sechs bis neun Prozent).

Lehrergehälter: Pädagogen verdienen in Österreich zu jedem Zeitpunkt ihrer Karriere und in allen Schultypen mehr als im OECD-Schnitt. Lag 2014 bei Volksschullehrern schon das Einstiegsgehalt mit rund 32.800 US-Dollar (29.202 Euro) (kaufkraftbereinigt) pro Jahr über dem OECD-Schnitt (31.000 US-Dollar, 27.600 Euro), ist der Abstand beim Höchstgehalt mit rund 64.000 US-Dollar (56.980 Euro) noch größer (OECD: 51.300 US-Dollar, 45.673 Euro). Ähnlich verhält es sich in der Sekundarstufe I (Ö: rund 34.300 US-Dollar Start-, rund 66.600 US-Dollar Endgehalt; OECD: 32.500 bzw. 53.600 US-Dollar) und der AHS-Oberstufe (Ö: 36.000 bzw. 74.500 US-Dollar; OECD: 34.200 bzw. 56.200 US-Dollar). Im Vergleich zu anderen Akademikern stehen Lehrer in Österreich etwas schlechter da: So verdient ein Lehrer in der Volksschule 77 Prozent vom durchschnittlichen Akademikergehalt, in der Sekundarstufe I sind es 86 und in der AHS-Oberstufe 94 Prozent (OECD: 81 bzw. 85 und 89 Prozent). (D3.1a, D3.2a)

NEETS (Not in Education, Employment or Training): Der Anteil junger Menschen, die sich weder in Beschäftigung noch in Ausbildung befinden, lag in Österreich 2015 mit 11,7 Prozent der 20- bis 24-Jährigen unter dem OECD-Mittelwert von 17 Prozent. (C5.2)

Private Bildungsausgaben: Der Anteil der privaten Ausgaben für Bildungseinrichtungen liegt in Österreich bei lediglich fünf Prozent (OECD: 16 Prozent). Das ist vor allem auf den Hochschulsektor und das Fehlen von Studiengebühren zurückzuführen. 2013 betrug der Privatanteil im Tertiärbereich in Österreich fünf Prozent, in der OECD dagegen 30 Prozent. (B3.1b)

Studienanfängerquote: 2014 begannen in Österreich 70 Prozent eines Altersjahrgangs ein Hochschulstudium (OECD: 68 Prozent). Ohne internationale Studierende würde dieser Prozentsatz allerdings nur 57 Prozent betragen (OECD: 61 Prozent). Ein tertiäres Kurzprogramm (z. B. vierter und fünfter BHS-Jahrgang) begannen dabei 35 Prozent eines Altersjahrgangs (OECD: 18 Prozent), ein Bachelorstudium 41 Prozent (OECD: 59 Prozent), ein Masterstudium 28 Prozent (OECD: 23 Prozent) und ein Doktoratsstudium 3,7 Prozent (OECD: 2,5 Prozent). (C3.1)

Unterrichtszeit - Lehrer: Volksschullehrer müssen in Österreich (779 Stunden pro Jahr) geringfügig länger unterrichten als im OECD-Schnitt (776 Stunden). Im Sekundarbereich I stehen dagegen die österreichischen Lehrer jährlich um 87 Stunden kürzer in der Klasse (Ö: 607, OECD: 694), in der AHS-Oberstufe sind es 55 Stunden (Ö: 589, OECD: 644). Die Zahl der Unterrichtstage liegt in Österreich mit 180 in allen Schulformen fast im OECD-Schnitt (Volksschule: 183, Sekundarstufe I: 181, AHS-Oberstufe: 180). Die (allerdings nur für Pflichtschullehrer definierte) Jahresarbeitszeit liegt indes darüber (Ö: 1.776; OECD: 1.585 für Volksschule, 1.609 für Sekundarstufe I). (D4.1, D4.2)