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Mehr Risiko - als Spitzenschüler

Akademikerkinder schneiden besser ab

Fast jeder dritte getestete Schüler in Österreich gehört in zumindest einem Testgebiet (Lesen, Mathematik, Naturwissenschaften) zur Gruppe der Risikoschüler, die „gravierende Mängel“ aufweisen. 13 Prozent sind sogar in allen drei Gebieten in dieser Gruppe zu finden. Insgesamt liegt Österreich beim aktuellen PISA-Test im OECD-Schnitt.

Zum Vergleich: In den Nachbarländern Slowenien (23 Prozent), Deutschland (24 Prozent) und Schweiz (26 Prozent) ist der Anteil der Risikoschüler in zumindest einem Fach deutlich geringer. In Finnland beträgt er nur 18 Prozent. Ein vergleichbares Bild zeigt sich in der Gruppe der in allen Testgebieten schwachen Schüler: Den 13 Prozent in Österreich stehen etwa nur acht Prozent in Slowenien und sechs Prozent in Finnland gegenüber.

Gruppe der Spitzenschüler klein

Bei den Spitzenschülern, die auch komplexe Aufgaben lösen können, sieht es ähnlich aus: In Österreich sind 15 Prozent der Schüler in zumindest einem Testgebiet Spitze (OECD: 16 Prozent), drei Prozent in allen drei (OECD: vier Prozent). In Slowenien gehören 18 Prozent mindestens einer Spitzengruppe an, in Deutschland 19 Prozent, in der Schweiz 22 Prozent und in Finnland 21 Prozent.

Österreich im PISA-Wellental

Nach Punktezugewinnen bei der letzten PISA-Studie gab es diesmal Verluste. Im Haupttestgebiet Naturwissenschaften wurden 495 Punkte erreicht (OECD-Schnitt 493) und liegt um elf Punkte unter dem Wert von 2012. 2009 waren für Österreich 494 Punkte verzeichnet worden (OECD: 501), 2006 511 (OECD: 498).

Risikogruppe ist weiblich

Interessant ist auch die Geschlechterverteilung bei den besonders leistungsstarken und -schwachen Schülern. So sind von den acht Prozent der Spitzenschüler in den Naturwissenschaften zwei Drittel Buben, in der Risikogruppe sind etwas mehr als die Hälfte Mädchen. Auch in der Mathematikspitzengruppe sind deutlich mehr Burschen (68 Prozent), in der Risikogruppe überwiegen die Mädchen (56 Prozent). Nur im Lesen liegt der Mädchenanteil unter den Schülern mit den besten PISA-Ergebnissen mit 57 Prozent über dem der Burschen, diese dominieren im Gegenzug in der Risikogruppe (58 Prozent).

Bessere Ergebnisse als bei früheren Tests

Im Kurzzeitvergleich kaum auffällig ist das Ergebnis der Migranten: Der Abstand zwischen Schülern ohne und mit Migrationshintergrund ist in den Naturwissenschaften mit 70 Punkten exakt gleich geblieben und im Lesen mit 64 Punkten gegenüber 2012 (51 Punkte) etwas größer geworden. Seit der ersten PISA-Studie 2000 haben sich die Abstände zwischen diesen beiden Gruppen aber stark verringert: im Lesen von 93 auf 64 Punkte, in den Naturwissenschaften seit 2006 von 90 auf 70 Punkte. Trotzdem gehört Österreich nach wie vor zu den Ländern mit den größten Leistungsnachteilen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund.

Nach wie vor schneiden Kinder höher gebildeter Eltern bei PISA wesentlich besser ab: In allen drei Testgebieten erreichten Akademikerkinder um fast exakt 100 Punkte mehr als Kinder von Eltern mit maximal Pflichtschulabschluss. Das entspricht etwas mehr als zwei Lernjahren.

Migrationsanteil ähnlich hoch wie in USA

Insgesamt hat seit 2000 der Anteil jener mit Migrationshintergrund in der Schülerschaft stark zugenommen - in der PISA-Stichprobe gab es eine Verdoppelung auf 20 Prozent. International ist dieser Anteil relativ hoch: Im OECD-Schnitt beträgt er 12,5 Prozent. Wesentlich höher liegt er etwa in der Schweiz (31 Prozent) und Kanada (30 Prozent), auf vergleichbare Werte kommen die USA (23 Prozent), Deutschland und Großbritannien (je 17 Prozent).


Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA/OECD

Buben weiter besser als Mädchen

Gegenüber den letzten Erhebungen deutlich zugenommen hat in Österreich der Geschlechterunterschied in den Naturwissenschaften: Burschen erzielten hier im Schnitt um 19 Punkte mehr als Mädchen - das ist mehr als eine Verdoppelung gegenüber 2006, 2009 und 2012 und der Spitzenwert in der OECD. OECD-weit sind die Geschlechterunterschiede zugunsten der Burschen mit vier Punkten nur gering. Auffällig: In Finnland erbringen Mädchen um 19 Punkte bessere Naturwissenschaftsleistungen.

Vier wichtige Buchstaben

PISA steht für den weltweit wichtigsten Schulvergleichstest, das „Programme for International Student Assessment“. Er wird alle drei Jahre von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris organisiert

In Mathematik hat die Geschlechterdifferenz zugunsten der Burschen in Österreich leicht von 23 auf 27 Punkte zugelegt, in Lesen hat der Vorsprung der Mädchen von 37 auf 20 Punkte abgenommen. Letzteres dürfte aber mit der neuen Erhebung zu tun haben: Mädchen schnitten schon in den vergangenen Erhebungen beim Lesen elektronischer Texte weniger gut ab als beim Lesen gedruckter Vorlagen. Das kam den Burschen bei der diesmal vollständig am Computer durchgeführten Erhebung zugute.

7.000 Schüler aus Österreich getestet

An der aktuellen PISA-Studie nahmen mehr als eine halbe Million 15- und 16-Jährige aus über 70 Ländern und Regionen teil, in Österreich waren es diesmal rund 7.000, also knapp zehn Prozent des Altersjahrgangs. Den Schwerpunkt bildeten die Naturwissenschaften, weitere Testfelder waren Mathematik und Lese-/Textverständnis sowie erstmals Problemlösen im Team als Indikator für soziale Kompetenz von Schülern.

Insgesamt fanden die Tests an rund 270 Schulen in ganz Österreich statt. Vertreten waren dabei alle Schulformen, die von 15-/16-Jährigen besucht werden, also AHS, BMHS, Haupt- und Neue Mittelschulen, Polytechnische Schulen, Sonderschulen, Berufsschulen und Bildungsanstalten für Kindergarten- und Sozialpädagogik. Pro Schule wurden höchstens 36 Schüler ausgewählt. Nicht getestet wurden Inklusionsschüler mit körperlicher oder geistiger Behinderung sowie Jugendliche mit nicht deutscher Muttersprache, die weniger als ein Jahr lang ordentlicher Schüler sind.

Keine Tests bei Sprachproblemen

Es nahmen auch keine Flüchtlingskinder an den Tests teil, weil die Tests bereits im Vorjahr stattfanden und Schüler mit so geringen Deutschkenntnissen, „dass ein Verstehen der Anleitungen und der Testaufgaben nicht möglich ist“, nicht getestet werden. Die Testfragen waren wie auch die Jahre zuvor Multiple-Choice-Fragen, daneben gab es auch Aufgabenformate, die eine kurze offene (verbale oder numerische) Antwort erfordern, sowie solche, die eine umfassende, längere verbale Antwort benötigen.

Ergebnis für Hammerschmid „inakzeptabel“

SPÖ-Bildungsministerin Sonja Hammerschmid bezeichnete die Österreich-Resultate als „inakzeptabel“. „Der Durchschnitt ist für mich kein erstrebenswertes Ergebnis“, so die Ministerin. Die Gruppe der Risikoschüler sei zudem noch immer zu groß, der starke Zusammenhang von Bildungserfolg und Herkunft „erschreckend“.

Als Sofortmaßnahme sollen ab kommendem Schuljahr in den ersten Klassen der Volksschulen Lehrer Diagnose- und Förderinstrumente erhalten, um die Schwächen von Schülern angehen zu können. Geschlechtergerechte Ansätze in der neuen Lehrerausbildung, Fort- und Weiterbildung sollen außerdem dazu führen, dass Mädchen in Mathematik und Naturwissenschaften künftig nicht mehr schlechter abschneiden als Buben.