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Hilferuf: 10.000 Lehrer fehlen

Fast 50 Prozent der Lehrer gehen in Pension, Schülerzahlen steigen, Ausbildung dauert länger.

Ein Direktor wird sich in Zukunft seine Lehrer vielleicht doch nicht aussuchen können. Das sollte zwar nach den Reformplänen der Bundesregierung künftig möglich sein, doch in Österreich ergreifen viel zu wenig Studenten den Beruf des Lehrers. Den Direktoren wird es daher in der Praxis schwer fallen, einen geeigneten Pädagogen zu finden, ist Johann Heuras, Landesschulratspräsident in Niederösterreich, überzeugt.

Bis zu 10.000 Lehrerstellen könnten in den nächsten Jahren unbesetzt bleiben, sagt der Grüne Bildungssprecher Harald Walser, der sich durch viele Statistiken gearbeitet hat. Für seine Befürchtung gibt es viele Gründe:

So gehen bis 2025 österreichweit 60.000 bis 70.000 Lehrer – Landes- und Bundeslehrer – in Pension.

Lehrer werden Mangelware, während gleichzeitig die Geburtenrate steigt, es also wieder mehr Schüler geben wird (siehe Grafik).



Foto: KURIER-Grafik: Sulzer

Die Lehrerbildung neu wird das Problem verschärfen: Während Lehrer für Hauptschulen bzw. Neue Mittelschule bisher drei Jahre lang an den Pädagogischen Hochschulen (PH) ausgebildet wurden, müssen sie jetzt vier Jahre an der Uni studieren – einen Unterschied zwischen AHS- und Hauptschullehrer wird es nicht mehr geben. "Da wird es ein Jahr lang keine Absolventen geben", so Walser.

Mehr noch: "An der Uni wird es mehr Studienabbrecher geben als an der verschulten Pädagogischen Hochschule", prophezeit Heuras und fordert: "Wir brauchen eine genaue Planung, in welchen Fächern, für welche Schularten und Regionen Pädagogen benötigt werden."

Auch die Lehrer-Gewerkschaft glaubt, dass ein Lehrermangel droht. "Wenn die Regelungen für die Pensionierungen gleich bleiben, wird in den kommenden zehn Jahren fast die Hälfte aller jetzt aktiven Lehrer in den Ruhestand gehen", sagt der Chef der Lehrergewerkschaft, Paul Kimberger. Noch gebe es in manchen Bundesländern personelle Reserven, diese seien aber bald aufgebraucht. "Wir haben in Teilbereichen, etwa bei den Naturwissenschaften oder den Sonderpädagogen, schon jetzt zu wenig Lehrer, es muss allen klar sein, dass wir derzeit viel zu wenig Menschen für den Lehrerberuf ausbilden."

Werbung für den Beruf

In Oberösterreich, wo das Pensionierungsproblem bei den Lehrern bekannt ist, versucht man schon seit ein paar Jahren aktiv, junge Menschen für den Lehrberuf zu gewinnen: "Weil die Qualität eines Bildungssystems von der Qualität der Lehrpersonen abhängt, wollen wir die Besten. Deshalb arbeiten wir z. B. eng mit Jugendorganisationen zusammen, die uns bei der Suche helfen. Auch in den Schulen selbst haben wir Lehrer aufgefordert, talentierte Schüler für den Beruf zu begeistern", heißt es aus dem Büro von Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer. Mit Erfolg. Für Volksschullehrer gebe es derzeit – noch – Wartelisten.

In der Steiermark, wo ebenfalls jeder zweite Lehrer in Pension gehen wird, sieht man die Sache gelassener: "Wir haben das Gefühl, dass sich das ausgeht." In Wien hingegen, wo jetzt schon jeder Pflichtschullehrer eine Stelle bekommt, es also keine Wartelisten gibt, wird das Problem verschärft sein: Hier werden nicht nur besonders viele Kinder geboren. Die Stadt muss auch viele Zuzügler bewältigen, die aus dem Ausland sowie den Bundesländern kommen.

Kimberger richtet deshalb einen Appell an die Jugend: "Lehrer ist ein absoluter Zukunftsberuf. Ich kann den jungen Menschen nur raten, zu überlegen, dieses Studium und diesen wunderschönen Beruf auszuüben."

Für den Grünen Walser ist es nicht genug, die Studienplätze zu erhöhen. Er verlangt zudem, dass der Quereinstieg in den Lehrberuf einfacher gemacht werden muss, zudem brauche es ein Bundesdienstrecht statt neun Landesdienstregelungen, damit Lehrer leichter zwischen Ländern wechseln können.