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"Pädagogikpaket" - Regierung setzt auf Ziffernnoten

Es geht mir dabei nicht um bildungspolitischen Revanchismus oder ein zwangsweises Alles-muss-anders-Werden“, so Faßmann bei einer Pressekonferenz. Künftig soll an den Volksschulen im Regelfall sowohl mit Ziffern als auch verbal benotet werden. Bis zum Halbjahreszeugnis der zweiten Klasse kann grundsätzlich auch ausschließlich alternativ beurteilt werden – in diesem Fall haben aber Eltern das Recht, auf einer Ziffernnote zu bestehen. Ab dem Ende der zweiten Klasse müssen verpflichtend Ziffernnoten vergeben werden, zusätzlich gibt es die Verbalbeurteilung.

Dazu sollen eigene Bewertungsraster entwickelt werden, in denen in abstrakter Form klar hervorkommt, was die Kinder können müssen. „Es soll transparenter werden, was die Minimalerfordernisse sind und welches Wissen zu erreichen ist“, so Projektleiter Klemens Riegler-Picker aus dem Bildungsministerium.

Auch Sitzenbleiben wieder früher möglich

Ab der zweiten Klasse können Kinder künftig auch wieder sitzen bleiben – das war bisher erst in der vierten Klasse verpflichtend. Weitere Änderungen in der Volksschule: Künftig werden alle Eltern zu Bewertungsgesprächen über Leistungsstärken und Leistungsstand eingeladen (bisher nur bei alternativer Beurteilung), bei Bedarf können Schülerinnen und Schüler auch zu Förderunterricht verpflichtet werden.

Mittelschule nicht mehr neu

Zahlreiche Änderungen gibt es auch in der Mittelschule, die bei der Bezeichnung selbst anfangen: Die Neue Mittelschule (NMS) wird künftig nur noch Mittelschule heißen. Darüber hinaus soll es wieder zwei unterschiedliche Leistungsniveaus geben: „Standard“ und „Standard-AHS“. Im Vorfeld hieß es, dass leistungsstarke Schülerinnen und Schüler „äquivalent zur AHS-Unterstufe gefordert und gefördert“ werden sollen. Die siebenteilige Bewertungsskala wird abgeschafft, an ihre Stellen treten zwei einander überlappende je fünfteilige Skalen.

Gleichzeitig bleiben zwar die bisherigen Differenzierungsmöglichkeiten wie Teamteaching erhalten, werden aber durch eine zusätzliche Möglichkeit ergänzt: Schulen können in Deutsch, Mathematik und Englisch ab der sechsten Schulstufe auch dauerhafte Gruppen einrichten. In diesen Gruppen soll dann anhand der beiden Leistungsniveaus unterrichtet werden. Das bedeute aber nicht die Rückkehr zu Leistungsgruppen, so Riegler-Picker. „Man wird nicht einmal im Jahr zugeteilt und bleibt dann dort, sondern man kann unter dem Jahr wechseln.“

Mit den beiden Standards sind auch unterschiedliche Berechtigungen beim Wechsel an eine weiterführende Schule verbunden. Es könne auch sein, dass ein Schüler in einem Fach „AHS-Standard“ erreiche (etwa Mathematik) und in anderen vielleicht nur „Standard“, für Riegler-Picker „ein klassischer HTL-Zubringer“.

„Glaube an diesen Schultyp“

„Ich glaube an diesen Schultyp“, so Faßmann. Allerdings müsse man das „großstädtische Problem“ lösen, wo die Mehrzahl der Kinder mittlerweile AHS-Unterstufen besuchen. „Das kann aber nicht in einem ritualhaften Ruf nach mehr Ressourcen bestehen.“ Er setze daher auf ehrliche Schullaufbahnentscheidungen, zum Teil auch bauliche Verbesserungen an den Standorten und auf die problemorientierte Vergabe von Zusatzressourcen.

Kurz und Strache zufrieden

Schon im Vorfeld sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) gegenüber der APA, dass man für die Schullaufbahn der Kinder „ein modernes Bildungssystem sicherstellen“ wolle. „Nach den Deutschklassen setzen wir nun mit dem Pädagogikpaket einen weiteren Schritt für eine bessere und leistungsorientierte Ausbildung der Schülerinnen und Schüler“, so Kurz.

Erfreut zeigte sich auch Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ): „Mit der versprochenen Wiedereinführung der Schulnoten kehren wir zum bewährten System zurück und beenden die gescheiterten Irrwege der letzten Jahre.“ Laut Strache wird „Fordern und Fördern modern und konsequent wieder das Leitprinzip an Österreichs Schulen“.

Lehrergewerkschaft sieht Paket allgemein positiv

Für den Vorsitzenden der Pflichtschullehrergewerkschaft, Paul Kimberger, geht das „Pädagogigpaket“ grundsätzlich in die richtige Richtung. Für eine endgültige Bewertung fehle ihm allerdings noch der Gesetzesentwurf, so Kimberger zur APA. „Meist liegt der Teufel im Detail.“

Mit der Abschaffung der siebenteiligen Notenskala an NMS werde ein langjähriges Anliegen der Lehrerinnen und Lehrer erfüllt, so Kimberger. Gleichzeitig sei es den Unterrichtenden wichtig gewesen, in der ersten und am Anfang der zweiten Klasse an der alternativen Leistungsbeurteilung festzuhalten. Allerdings fehlten noch genaue Details zu den angekündigten neuen Bewertungsrastern. Dabei müsse darauf geachtet werden, dass sich die Verwaltung und Bürokratie für die Pädagoginnen und Pädagogen im Rahmen halten: „Die Belastungen sind jetzt schon hoch genug.“

Hammerschmid: „Rückkehr in Nachkriegszeit“

SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid ortete bei Faßmanns Plänen „eine Rückkehr in die Nachkriegszeit“. Ziffernnoten, Sitzenbleiben und das „Zurück zum ‚A- und B-Zug‘ der alten Hauptschule“ seien ein gewaltiger Rückschritt, der Kindern „nichts bringen wird“. „Faßmann entmündigt Tausende engagierte Lehrerinnen und Lehrer, die jahrelange Arbeit investiert haben“, so Hammerschmid im Hinblick auf die alternative Leistungsbeurteilung.

NEOS: „50er wollen ihr Bildungssystem zurück“

Auch NEOS kritisierte die Maßnahmen der Regierung scharf. „Wenn das die großen bildungspolitischen Reformen dieser Regierung sind, dann gute Nacht. Das hat die junge Generation wirklich nicht verdient“, so NEOS-Bildungssprecher Douglas Hoyos. Die Regierung befasse sich mit „inhaltsleerer Retropolitik“: „Die 50er Jahre haben angerufen, sie wollen ihr Bildungssystem zurück“, so Hoyos.

Liste-Pilz-Bildungssprecherin Stephanie Cox ortete „ideologische Grabenkämpfe“: „Aufgrund parteipolitischer Kämpfe alle paar Jahre die Maßnahmen von VorgängerInnen zurückzunehmen ist für alle Betroffenen eine große Belastung“, so Cox. Die Rückkehr zu Ziffernnoten sei ein „großer Rückschritt“. Für die Mittelschule forderte sie einen „Chancenindex“, mit dem Kinder mehr Ressourcen bekommen und gefördert werden sollen.

Auch die Österreichischen Hochschüler_innenschaft (ÖH) kritisierte die Pläne der Regierung: „Ein Schritt zurück und ein neuer Name sind noch lange keine Reform. Wir brauchen dringend mutigere Lösungen“, hieß es aus dem ÖH-Vorsitzteam. Vor allem die Rückkehr zu verpflichtenden Noten und dem Sitzenbleiben in der Volksschule seien „nicht zielführend“: „Druck und Sanktionen sind sicher der falsche Weg.“