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PISA: Österreich ist 2015 doch dabei

Ausnahmeregelung mit OECD

(ORF-Website v. 23.05.2014)

Die von Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) verordnete Auszeit beim PISA-Test für 2015 ist nun zurückgenommen worden. Die „Kronen Zeitung“ berichtete vorab von Verhandlungen mit der OECD, die nun eine Ausnahmeregelung ermöglichen.

Die Feldtestungen der internationalen Bildungsvergleichsstudie werden nun ausnahmsweise im kommenden Frühjahr stattfinden. Die Absolvierung dieser Vortests ist Voraussetzung für die Teilnahme an den Haupttests im Herbst 2015. Das Bildungsministerium bestätigte am Freitagnachmittag den Bericht der „Kronen Zeitung“.

Dem Bericht zufolge wird auch das vielfach kritisierte Bundesinstitut für Bildungsforschung (BIFIE) die Studie durchführen. Aus dem Ministerium hieß es, dass man sich noch dieses Jahr Zeit nehmen wolle, das BIFIE zu reformieren und neu aufzustellen. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass die beiden Direktoren das Institut bis Juni verlassen müssen.

Absage wegen Datenlecks

Heinisch-Hosek hatte im März die Teilnahme an den bereits im heurigen Frühjahr geplanten Feldtestungen wegen eines angeblichen Datenlecks beim BIFIE abgesagt. Im Februar waren auf einem rumänischen Testserver einer BIFIE-Partnerfirma ungeschützte Ergebnisse von informellen Schülertests aus den Jahren 2011 und 2012 aufgetaucht. Heinisch-Hosek sagte daraufhin die Tests mit der Begründung ab, dass die Datensicherheit nicht gewährleistet sei.

Diese Verschiebung der Vortests auf 2015 ermögliche der Ministerin nun, ihr Versprechen einzulösen, die Datensicherheit beim BIFIE ernst zu nehmen, hieß es aus dem Ministerium. Es läuft noch eine Sicherheitsüberprüfung durch den TÜV Austria.

Heftige Kritik wegen Verschiebung

Die Bildungsministerin war für den PISA-Stop heftig kritisiert worden. Die Universität Salzburg hatte sogar angeboten, für das BIFIE einzuspringen. Das Bundesland Oberösterreich wollte sogar im Alleingang an PISA teilnehmen. Vor allem der Koalitionspartner ÖVP, aber auch NEOS und Grüne forderten Heinisch-Hosek auf, die Absage rückgängig zu machen.

In einer ersten Reaktion auf die Entscheidung zur Durchführung der Tests zollte der grüne Bildungssprecher Harald Walser der Ministerin Anerkennung: „Es ist nicht selbstverständlich, dass eine Ministerin eine falsche Entscheidung zurücknimmt. Das kann aber nur der erste Schritt sein.“ Man müsse auch die Ergebnisse der Studie ernst nehmen. Auch die ÖVP begrüßte den Schritt. Künftig sollten „solche gravierenden Entscheidungen aber nicht hinter den Kulissen getroffen werden“, forderte ÖVP-Bildungssprecherin Brigitte Jank. Zufrieden zeigte sich auch NEOS-Klubobmann Matthias Strolz: „Es zeigt auch: Wenn man den Druck hoch genug hält, dann ist Bewegung möglich in diesem Land.“

Experten warnen vor PISA-Studie

Ungeachtet dessen gab es erst vor wenigen Tagen einen offenen Brief von Bildungsexperten, die vor einem „irreparablen Schaden“ durch die PISA-Studie warnen aufgrund der Messung einer „großen Vielfalt von Bildungstraditionen und -kulturen mit einem engen und einseitigen Maßstab“. Durch den Fokus der Studie auf wirtschaftlich verwertbares Wissen sei die Vorstellung von Bildung „in gefährlicher Weise verengt“ worden.

Die Bildungspolitik habe im Gefolge von PISA ihre Aufmerksamkeit auf kurzfristige Maßnahmen verlagert, obwohl nachhaltige Veränderungen Jahrzehnte brauchen würden. Gleichzeitig sei die OECD Allianzen mit multinationalen, profitorientierten Unternehmen eingegangen, „die bereitstehen, um aus jedem von PISA identifizierten - realen oder nicht realen - Bildungsdefizit Profit zu schlagen“, so der Brief von internationalen Bildungswissenschaftlern, Lehrern und Elternvertretern.

Österreich bleibt weiter im PISA-Vergleich

Wenn es um das kreative Lösen von Problemen wie die Bedienung eines MP3-Players oder eines Staubsaugerroboters geht, sind Österreichs Schüler Durchschnitt. Das geht aus den jüngsten Ergebnissen der PISA-Tests aus dem Jahr 2012 hervor. Dabei erreichten 18 Prozent der heimischen Schüler das Basisniveau nicht.

In der PISA-Studie gab es verschiedene Aufgabenstellungen aus unterschiedlichen Bereichen, die am Computer gelöst werden mussten. So mussten im Bereich Verkehr etwa die besten und schnellsten Routen herausgefunden werden. Weiters mussten eine Klimaanlage und ein MP3-Player ohne Gebrauchsanweisung bedient werden. Auch der Kauf von Fahrkarten in unterschiedlichen Tarifen an einem Automaten wurde abgefragt. Schließlich ging es darum, bei einem Roboterstaubsauger vorherzusagen, wie er mit verschiedenen Gegenständen interagiert. Insgesamt konnten sechs Kompetenzstufen erreicht werden.

18 Prozent gelten als Risikoschüler

82 Prozent der heimischen Schüler schafften die Stufe zwei - das bedeutet umgekehrt, dass 18 Prozent über die Stufe eins nicht hinauskamen und mangels Problemlösungskompetenz als Risikoschüler gelten. Damit liegt Österreich etwas unter dem OECD-Schnitt von 21 Prozent. Immerhin sechs Prozent der heimischen Schüler schafften auch die Stufe eins nicht.

Schüler unter der Kompetenzstufe zwei haben Schwierigkeiten, neuartige Problemstellungen zu lösen, und es fällt ihnen schwerer vorauszuplanen oder Teilziele zu setzen, so die OECD. Als Beispiele für Stufe eins nannte die OECD das Herausfinden eines für alle Beteiligten an besten zu erreichenden Treffpunkts, für die Stufe zwei die Berechnung des kürzesten Wegs.

Jeder Zehnte ist in Spitzengruppe

Ab der Stufe fünf zählen Schüler zur Spitzengruppe - in Österreich liegt der Anteil an dieser Gruppe bei elf Prozent und damit im OECD-Schnitt. Im OECD-Schnitt schafften es 2,5 Prozent bis in die letzte Gruppe, auch hier liegt Österreich genau im Mittel. Als Beispiel für das Erreichen der Stufe fünf nannte die OECD den Kauf von Tickets an einem virtuellen Automaten für verschiedene Verkehrsmittel mit unterschiedlichen Tarifen. Für Stufe sechs mussten komplexere Probleme mit einem Staubsaugerroboter gelöst werden. Grundsätzlich gebe es deutlich mehr Schüler in Gruppe fünf als Gruppe sechs, so die OECD.

In Österreich schneiden Burschen mit zwölf Punkten Unterschied durchschnittlich besser ab als Mädchen, das ist doppelt so hoch wie im OECD-Schnitt. Zur Spitzengruppe zählen neun Prozent der Mädchen und 13 Prozent der Burschen. Insgesamt erreichten Österreichs 15- und 16-Jährige beim vorerst letzten PISA-Test 506 Punkte und liegen damit praktisch genau im OECD-Schnitt (500) bzw. auf Rang 15 der 28 OECD-Länder.

Obwohl Österreich im Durchschnitt liege, seien die Leistungen der Schülerinnen und Schüler „etwas niedriger, als man angesichts der Ergebnisse in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften erwarten würde“, schreibt die OECD in ihrer Ländernote. „Dennoch gibt es in Österreich anteilig weniger leistungsschwache Schülerinnen und Schüler im Bereich Problemlösen als in den meisten anderen OECD-Ländern.“

Singapur, Südkorea und Japan führend

Die besten Ergebnisse wurden im Nicht-OECD-Staat Singapur (562) erzielt, gefolgt von Südkorea (561), Japan (552), Kanada (526) und Australien (523). Im Spitzenfeld der 2012 durchgeführten Erhebung liegen auch die chinesischen Provinzen bzw. Regionen Macao, Hongkong (je 540) und Schanghai (536) sowie das Nicht-OECD-Land Taiwan (534). Die besten Ergebnisse in Europa lieferten Finnland (523), England (517) und Estland (515). Außerdem liegen noch Frankreich, die Niederlande (je 511), Italien (510), Deutschland, Tschechien (je 509), Belgien und die USA (je 508) signifikant über dem OECD-Schnitt.

Im OECD-Schnitt befinden sich neben Österreich noch Norwegen (503), Irland (498), Dänemark (497) und Portugal (494). Signifikant unter dem OECD-Schnitt liegen etwa Schweden (491), Russland ( 489), die Slowakei ( (483), Polen (481), Spanien (477), Slowenien (476), Ungarn (459) und die Türkei (454). Schlechtestes OECD-Land ist Chile (448), schlechtester EU-Staat Bulgarien (402) und schlechtester Teilnehmerstaat insgesamt Kolumbien (399).

Österreich auch zuletzt im OECD-Schnitt

Problemlösen wird bei PISA nur in unregelmäßigen Abständen getestet. Zuletzt war das 2003 der Fall - Österreich lag damals etwas über dem OECD-Schnitt. Anschließend wurden die Problemlösetests eingestellt, da sie praktisch die gleichen Resultate brachten wie die anderen getesteten Bereiche. Die jüngsten Ergebnisse in den PISA-Hauptkategorien Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften wurden bereits im Dezember 2013 vorgestellt. Österreich lag dabei in der Mathematik signifikant über dem OECD-Schnitt, in den Naturwissenschaften im OECD-Schnitt und im Lesen darunter.

Die Problemlösetests wurden im Unterschied zum Lesen, der Mathematik und den Naturwissenschaften ausschließlich am Computer durchgeführt. Weiterer Unterschied zu den anderen Kompetenzbereichen: Es geht stärker um kognitive Prozesse des Problemlösens als um fachspezifisches Wissen.

5.000 Schüler in Österreich getestet

Das von der OECD durchgeführte Programme for International Student Assessment (PISA) ist der größte internationale Schülerleistungstest. Für die aktuelle, fünfte Ausgabe wurden 2012 in 65 Ländern (u. a. alle 34 OECD-Staaten) rund 500.000 Schüler des Jahrgangs 1996 in Lesen, Mathematik, Naturwissenschaften und Problemlösen getestet.

In Österreich wurde dafür eine Zufallsstichprobe von rund 5.000 Jugendlichen in knapp 200 Schulen untersucht. Pro Schule wurden maximal 35 Schüler getestet - den Computertest für das Problemlösen absolvierten lediglich höchstens 18 Jugendliche pro Schule, das heißt, dass die Stichprobe nur etwa halb so groß ist wie bei den PISA-Hauptdomänen.

Viel Kritik und noch mehr Patzer

Für die Patzer und Pannen beim diesjährigen Test für die Zentralmatura hat sich das Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung des österreichischen Schulwesens (BIFIE) jede Menge Kritik und nun sogar einen Direktorenwechsel eingehandelt. Bis Ende Juni müssen Martin Netzer und Christian Wiesner ihre Posten räumen - das vorläufige Ende einer durchwachsenen Geschichte.

„Ich habe die Nase voll und kann das nicht mehr länger akzeptieren“, machte sich Heinisch-Hosek im Zuge der Pannenserie Luft. Die Kritik der Unterrichtsministerin galt dem BIFIE und damit jenem Bundesinstitut, in dessen Händen seit gut sechs Jahren die Entwicklung des österreichischen Bildungswesens liegt. Kritik an der eigenen Arbeit begleitete das BIFIE freilich seit Jahren, auch wenn sie nicht immer von der Unterrichtsministerin kam.

Große Worte zu Beginn

Denn vor sechs Jahren war der Tenor noch ein gänzlich anderer. Mit der Errichtung des Bundesinstituts werde „eine neue Ära der Bildungsforschung“ eingeleitet, so Heinisch-Hoseks Vorgängerin Claudia Schmied (SPÖ) im Jänner 2008. Wissenschaftliche Forschung und Entwicklung abseits der Parteipolitik sollte „kontinuierlich und konsequent die Qualität des österreichischen Schulsystems“ verbessern.

Knapp zwei Monate nach der Gründung des Instituts präsentierte die Ministerin mit Günter Haider und Josef Lucyshyn schließlich jene Männer, die als BIFIE-Direktoren diese Aufgabe übernehmen sollten. Lucyshyn war bereits unter Schmieds Vorgängerin Elisabeth Gehrer (ÖVP) mit der Implementierung der Bildungsstandards betraut. Haider hatte das Zentrum für Vergleichende Bildungsforschung geleitet, das im BIFIE aufgegangen war.

Streit um PISA

Die ersten dunklen Wolken am Bildungshimmel begannen 16 Monate nach Institutsgründung aufzuziehen. Zu Beginn des PISA-Tests im April 2009 rief die Österreichische Schüler Union (ÖSU) zum Boykott des Bildungstests auf. Innerhalb einer Woche eskalierte der Streit zwischen BIFIE und ÖSU dermaßen, dass Direktor Haider den Schülervertretern mit gerichtlichen Klagen drohte - die Schüler gaben schließlich klein bei.

Nur einen Tag nach Ende des ÖSU-Boykotts rollte die nächste Kritikwelle auf das BIFIE zu. Das Bundesinstitut hatte Fragebögen entwickelt, die die Abfrage der Bildungsstandards der österreichischen Schüler begleiten sollten. Darin fanden sich Fragen wie „Wirst du von deinen Eltern geschlagen?“ oder „Fühlst du dich von deinen Eltern geliebt?“. Vor allem die Eltern gingen ob dieser sehr persönlichen Fragen auf die Barrikaden. Vier Bundesländer hatten die Fragebögen bereits aus den Schulen verbannt, bevor das BIFIE diese in ganz Österreich zurückzog.

Rüge vom Rechnungshof

In seinen ersten Jahren war das Institut aber noch auf eine andere Weise aktiv: Es wuchs - und zwar beträchtlich. Im November 2012 legte der Rechnungshof seinen Bericht zum BIFIE vor und hielt fest: „Auch der Personalstand des BIFIE stieg überproportional an“ - von umgerechnet 38,5 Vollzeitstellen Ende 2008 auf 112 Vollzeitstellen im September 2011. Dennoch sammelte das BIFIE während der ersten beiden Jahre ein Bankguthaben von über acht Millionen Euro an. Laut Rechnungshof lag das vor allem daran, dass das BIFIE seine selbst erstellten Dreijahres- und Jahrespläne nicht einhielt, also weit nicht alle geplanten Projekte umsetzte.

Nach der Rüge des Rechnungshofs gelobten BIFIE und Bildungsministerium Besserung. Das Institut bekam ein neues Regulativ und musste seine Lage von nun an jährlich dem Aufsichtsrat erläutern. Auf die Personalpolitik scheint die Kritik aber wenig Einfluss gehabt zu haben. Auf der Website des BIFIE werden momentan 193 Mitarbeiter an den drei Standorten Salzburg, Wien und Graz angeführt. 58 davon sind allein in der Verwaltung beschäftigt.

Eine Personalentscheidung hatte das Bildungsministerium allerdings bereits acht Monate vor der Veröffentlichung des Rechnungshof-Berichts getroffen. Schmied enthob Direktor Josef Lucyshyn wegen „wesentlicher Schwächen im internen Kontrollsystem“ von seinem Posten - auf Empfehlung des Aufsichtsrats, so das Bildungsministerium. Sowohl die Disziplinarkommission im Bildungsministerium als auch jene im Kanzleramt beurteilten die Entscheidung zwei Jahre später als unrechtmäßig.

Kritik an Besetzungspolitik

Ebenfalls 2012 musste das Bildungsministerium unter der Häme der Oppositionsparteien die Verschiebung der Zentralmatura bekanntgeben. Der Start des Vorzeigeprojekts an allen AHS verschob sich auf das Frühjahr 2015.

Ein Mann hatte all diese Turbulenzen bis dahin relativ unbeschadet überstanden - BIFIE-Direktor Günter Haider. So kam es doch überraschend, dass Claudia Schmied den als „Mr. PISA“ bekannten Bildungswissenschaftler Anfang 2013 nicht für eine weitere Amtszeit verlängerte.

Auf Haider und Interimsdirektor Christian Dorninger folgten Martin Netzer und Christian Wiesner - eine Besetzung, die der Grüne Bildungssprecher Harald Walser „zum Kotzen“ fand. Auch die FPÖ sparte nicht mit Kritik. Tatsächlich war die Optik nicht die allerbeste. Netzer, der die Leitung der Zentralmatura-Planung übernahm, war unter Elisabeth Gehrer Kabinettschef im Bildungsministerium. Schnell war vom ÖVP-Ticket für Netzer die Rede, während Wiesner etwa von den Grünen als „roter Kandidat“ abgestempelt wurde.

Pannenjahr 2014

Wirklich beneidet wurden die beiden Direktoren in den vergangenen Monaten aber wohl von den wenigsten. Die Pannenserie nahm ihren Anfang mit dem Bekanntwerden eines Datenlecks beim BIFIE Ende Februar 2014. Zwei Jahre alte Testergebnisse von 400.000 Volksschülern und 37.000 Lehrer-Mail-Adressen waren auf einem Server in Rumänien zugänglich gewesen.

In der Folge nahm die Bildungsministerin den Vorfall zum Anlass, PISA- und TIMMS-Studien im kommenden Jahr aus Datenschutzgründen auszusetzen. Sogar das BIFIE selbst protestierte gegen diesen Entschluss. Diese Entscheidung wurde nun wieder rückgängig gemacht. Österreich nimmt 2015 aufgrund einer Ausnahmeregelung an der PISA-Studie teil.

Zentralmatura-Probe von Fehlern überschattet

Auch der Test für die Zentralmatura wurde vom Ministerium ob der Datensicherheit in Frage gestellt, ging dann aber Anfang Mai doch wie geplant über die Bühne. Beim BIFIE wäre nun vielleicht so mancher froh, wenn der Probelauf doch abgesagt worden wäre.

Die Diskussionen begannen am 7. Mai ob der Anhebung des Punkteschlüssels in den lebenden Fremdsprachen. Lehrer und Schüler protestierten gegen das neue Bewertungssystem, über das sie erst nachträglich informiert worden seien. Zwei Tage später fehlten in acht Wiener Schulen Aufgaben für die Mathematik-Matura. Zuletzt schlug am Dienstag einer der Texte für die Deutsch-Matura Wellen. Die vom BIFIE erarbeitete Aufgabenstellung klammerte den Bezug auf NS-Ideologie des 1947 erschienenen Texts vollständig aus, so die Kritik.

Konsequenzen angekündigt

In Österreich wird mittlerweile gerätselt, wie dem Bundesinstitut all die Fehler passieren konnten. Kürzlich brachte sich auch EX-BIFIE-Direktor Haider in die Diskussion ein. Im Interview mit dem Ö1-Morgenjournal warf Haider den politischen Verantwortlichen Versagen und Proporz-Postenbesetzungen vor. Dass Heinisch-Hosek die Schuld alleine auf das BIFIE schiebe, wollte Haider nicht gelten lassen.

Mitte Mai zog Bildungsministerin Heinisch-Hosek die bereits zuvor angekündigten Konsequenzen: Die Direktoren Netzer und Wiesner müssen bis Ende Juni ihre Posten räumen. Zusätzlich kündigte Heinisch-Hosek eine Neuausrichtung des BIFIE an. Es brauche eine Aufgabenkritik, eine Stärken-Schwächen-Analyse sowie eine Aufarbeitung von Dingen, die in der Vergangenheit passiert sind, so die Bildungsministerin. Von einer „neuen Ära der Bildungspolitik“, wie sie ihre Vorgängerin vor sechs Jahren propagierte, sind diese Ankündigungen freilich weit entfernt.