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Im Zuge der Debatte über den Konflikt an einer Wiener HTL, bei dem ein Lehrer einen Schüler angespuckt haben soll und dann von diesem gegen die Tafel gestoßen wurde, hat das Bildungsministerium nun die Einführung von Time-out-Klassen angekündigt. Schulversuche, bei denen verhaltensauffällige oder gewalttätige Schülerinnen und Schüler auf Zeit aus der Regelklasse genommen werden, gibt es schon.

Im Bildungsministerium brütet man laut Medienberichten schon länger über einem Konzept für Time-out-Klassen, wie es sie etwa in der Schweiz gibt. Derzeit würden die Details geklärt, in Kürze soll es präsentiert werden. Zielgruppe der Maßnahme seien Kinder und Jugendliche ab der Neuen Mittelschule und AHS-Unterstufe, so Generalsekretär Martin Netzer im Ö1-Morgenjournal.

Rasche Rückkehr in Regelklasse beabsichtigt

Er erwartet außerdem, dass es in Ballungsräumen mehr Bedarf geben wird. In der Time-out-Klasse sollen speziell ausgebildete Lehrende neben den regulären Fächern auch etwa das Verhalten in Gruppen und gewaltfreie Konfliktlösung unterrichten. Ziel sei, dass die Schüler so schnell wie möglich in die Regelklasse zurückkehren. Teilweise wird in Österreich schon jetzt auf das Modell der Time-out-Klassen gesetzt.

Fachleute sind skeptisch

Von der Lehrergewerkschaft kommt grundsätzliche Zustimmung zu der geplanten Maßnahme, die sich seit Ende der 1990er regelmäßig in deren Forderungskatalogen findet. Fachleute zeigen sich indes skeptisch: Gewalt und Mobbing in der Klasse könne man nur nachhaltig verhindern, wenn man bei der ganzen Klasse bzw. Schule ansetze, betont Bildungspsychologin Christiane Spiel im Ö1-Interview.

Soziologe Kenan Güngör warnt im „Standard“ wiederum, dass Time-out-Klassen dazu verleiten würden, Problemschüler in separate Klassen abzuschieben und längerfristige Lösungen gar nicht erst zu suchen. Abgelehnt werden Time-out-Klassen auch von NEOS. Probleme würden dadurch nur verschoben. SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid appellierte per Aussendung für mehr Gewaltprävention an den Schulen. Jetzt-Bildungssprecherin Stephanie Cox forderte neben mehr Unterstützungspersonal auch Ethikunterricht für alle Kinder.

Die FPÖ verlangt Erziehungscamps für „gewalttätige Problemschüler“. Dabei gehe es „in erster Linie um den Schutz und die Sicherheit aller anständigen und braven Schüler, die in ihrem Lernfortschritt nicht beeinträchtigt werden sollen“, so der niederösterreichische Landesparteichef Udo Landbauer in einer Aussendung. Eltern von gewalttätigen Schülern wiederum sollen finanziell zur Kasse gebeten werden – mit mindestens 660 Euro.

 

 

 

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