Das Schuljahr neigt sich dem Ende zu.Während für viele Menschen die Vorfreude auf die Sommerferien beginnt, stehen für zahlreiche Lehrerinnen und Lehrer im Pflichtschulbereich noch Externistenprüfungen an.
Seit der Corona-Pandemie hat die Zahl jener Kinder und Jugendlichen, die diese Prüfungen absolvieren müssen, spürbar zugenommen.Gründe dafür sind unter anderem längere Phasen des häuslichen Unterrichts, alternative Bildungswege oder die Rückkehr in das Regelschulsystem.Die Verantwortung für die Durchführung dieser Prüfungen tragen die Schulen – und damit die Lehrerinnen und Lehrer vor Ort.Man kann sich kaum vorstellen, wie großzügig die Republik Österreich die Arbeit von Lehrerinnen und Lehrern im Rahmen von Externistenprüfungen honoriert:mit wenigen Euro pro Prüfung.
Was auf dem Papier nach einer kleinen Nebentätigkeit aussieht, bedeutet in der Praxis stundenlange Arbeit.
Prüfungsunterlagen müssen vorbereitet, Termine organisiert, Gespräche geführt, Leistungen beurteilt und dokumentiert werden. Danach folgen Korrekturen, die schriftliche Dokumentation und die administrative Abwicklung. Rechnet man den Zeitaufwand ehrlich zusammen, landet man bei einem Stundenlohn, der selbst im Bereich der Ferialjobs für Jugendliche Stirnrunzeln verursachen würde – und jedenfalls weit unter dem liegt, was in Österreich als angemessene Entlohnung angesehen wird.
Besonders bemerkenswert ist dabei, dass diese Prüfungen nicht etwa aus privatem Engagement einzelner Lehrpersonen entstehen. Die Bildungsdirektionen ordnen die Durchführung an den Schulen an, und die Schulleitungen haben für die Besetzung der Prüfungskommissionen zu sorgen.
In der Realität bedeutet das für viele Lehrerinnen und Lehrer, dass sie sich dieser zusätzlichen Aufgabe kaum entziehen können, wenn sie nicht Kolleginnen und Kollegen oder die eigene Schulleitung im Stich lassen wollen.
Von einer freiwilligen Tätigkeit kann daher nur sehr eingeschränkt die Rede sein. Gleichzeitig wird erwartet, dass Lehrerinnen und Lehrer diese Prüfungen mit höchster Professionalität durchführen, pädagogisches Fingerspitzengefühl beweisen und rechtssichere Entscheidungen treffen.
Die Verantwortung ist groß, die Wertschätzung offenbar überschaubar, denn rein rechnerisch rieseln dafür gerade einmal ein paar wenige Euro in die imaginäre Kaffeekassa. Man könnte darüber lachen – wenn es nicht so bezeichnend für den Stellenwert wäre, den diese zusätzliche Arbeit offenbar genießt.
Vielleicht sollte man die Sache aus einem anderen Blickwinkel betrachten:
Warum nicht auch Politikerinnen und Politiker nach jeder Ausschusssitzung mit einem Einwurf in die Kaffeekassa entschädigen? Die Vorbereitung, die Verantwortung und die Nachbereitung würden dann eben als Beitrag zum Gemeinwohl gelten. Die Empörung wäre vermutlich beträchtlich!
Bei Lehrerinnen und Lehrern scheint man hingegen davon auszugehen, dass Berufsethos und Idealismus jede finanzielle Geringschätzung ausgleichen. Wer Qualität im Bildungswesen fordert, muss auch bereit sein, die Arbeit jener Menschen fair zu entlohnen, die diese Qualität sicherstellen. Alles andere ist keine Sparsamkeit, sondern eine Form institutionalisierter Geringschätzung!
Kerstin Gratzer-Steinborn
PULL-UG Personalvertreterin, Stmk
